Ausführliche Informationen

Besonderheiten

Der Sperberbaum/Speierling (Sorbus domestica) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und dort der Gattung Sorbus an. Er kann bis zu 30 Meter hoch und bis zu 400 Jahre alt werden. Der Speierling gehört zu den wenigen Wildobstsorten, welche auch im Wald überleben können (häufig im Umfeld warmer trockener Eichen-Hainbuchen-Wälder). Dort benötigt er jedoch unbedingt “Freistellungen”, um nicht dem Konkurrenzdruck höherer Baumarten zu unterliegen. Auch als Einzelbaum in der Feldflur ist dieser Baum vorzufinden. Es existieren von diesem Baum kaum Sammelbestände, wie z.B. Apfelbaumansammlungen auf Obstwiesen. Der Speierling kommt eher als Solitärbaum oder in Kleingemeinschaften vor.

Speierling-Setzling mit austreibenden Blättern im ersten Jahr
Speierling-Setzling mit austreibenden Blättern im ersten Jahr

Das Wurzelsystem des Speierlings ist stark ausgeprägt und sehr tiefreichend, weshalb er auch längere Trockenheitsperioden gut übersteht. Damit der Baum sich gut entwickelt wird empfohlen mindestens einen Standraum von 120 m² bereitzustellen. In guten Jahren kann ein Speierlingsbaum bis zu 1000 kg Früchte bringen. Der Speierling bietet einer hohen Anzahl von Tierarten Unterschlupf und Nahrung und ist damit von hoher Bedeutung für die Bewahrung einer biologischen Vielfalt.

Der Sperberbaum/Speierling stellt ein ausgezeichnetes Symbol für viele bedrohte Arten und die stattfindende Reduzierung der biologischen Vielfalt sowie für die Bedeutung von Bäumen gegen die Klimaerwärmung dar. Seine schwierige Aufzucht kann in der heutigen Zeit symbolisch dafür stehen, dass Pflanzen und Tiere etwas ganz Besonderes sind, welches es aktiv zu schützen und zu fördern gilt. Etwas, das mit viel Zeit und Aufwand zu hegen und zu pflegen und wertzuschätzen ist. Sofern wir uns nicht aktiv für eine höhere Anzahl von Bäumen und eine höhere Artenvielfalt einsetzen, so werden wir den Kampf gegen Klimaerwärmung und Artensterben verlieren – mit all den damit verbundenen dramatischen Folgen. Die Aufzucht eines Sperberbaumes kann (in einer reduzierten Form) mit der Pflege eines Haustieres verglichen werden. Auch hier sind Verantwortungsbewusstsein, Achtsam- und Aufmerksamkeit, ein nachhaltiger Aufwand und ein „Kümmern“ notwendig. Wer er schafft einen Sperberbaum „aufzuziehen“, der hat wirklich „Großes“ geschaffen. Schaffen wir dafür ein Bewusstsein und übertragen dieses insgesamt auf unser Verhalten zur Natur!

Der Sperberbaum ist ein sehr empfindlicher Baum. Er ist sehr (!) platz-, licht- und wärmebedürftig, wächst sehr langsam, ist konkurrenzschwach und anfällig für einen Verbiss durch Wildtiere – all diese Faktoren erklären seine besondere Seltenheit. Zu empfehlen ist es, die Setzlinge sechs bis 8 Jahre (!) mit Draht zu schützen.

Es kann bis zu 25 Jahre dauern, bis ein Sperberbaum Früchte trägt (oft geschieht dieses jedoch schon früher). Vom Speierling gibt es verschiedene Sorten. Die Früchte können apfel- oder birnenfrüchtig sein.

Der Speierling Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Sorbus_domestica_150912a.jpg Ersteller: BerndH, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

Vorkommen

Ursprünglich war der Speierling von Südwest- bis nach Südosteuropa, in Nordalgerien, Anatolien und auf der Krim verbreitet. Mittlerweile ist die Baumart auch in Mittel- und Südosteuropa zu finden. Insbesondere auf dem Balkan, Italien sowie in Südfrankreich finden sich Exemplare. In Deutschland kommt er schwerpunktmäßig in Bayern und Baden-Württemberg vor. Fundorte existieren jedoch auch in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Auch von der Waliser Südküste sind Exemplare bekannt. Die fortschreitende Klimaerwärmung – so schlimm ihre Auswirkungen auch für unsere Lebensbedingungen, landwirtschaftliche Produktionsformen und auch die Artenvielfalt sind– bietet zumindest für diese Baumart eine verbesserte Chance auch in Norddeutschland zu gedeihen. Zwischen 1881 und 2015 hat sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland um etwa 1,5 Grad erwärmt (https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klima-deutschland-hat-sich-bereits-um-1-5-grad-erwaermt-a-1298283.html). Das bedeutet, dass sich das Verbreitungsgebiet des Speierlings durch die Verschiebung der Klimazonen weiter nach Norden ausdehnen wird.

Der Altbestand in Deutschland liegt bei geschätzt etwa 5000 Bäumen. Der Speierling war “Baum des Jahres 1993”. Im Zuge dessen kam es zu einer hohen medialen Beachtung sowie einer Ausbringung einer sehr hohen Anzahl von Setzlingen. Aufgrund seiner besonderen Ansprüche ist jedoch zu vermuten, dass eine Vielzahl der Setzlinge das erste Jahrzehnt nicht überlebt haben.

Standortvorliebe

Der Speierling bevorzugt warme, mäßig trockene, nährstoffreiche (tonig/lehmige) und kalkhaltige Böden. Ein heller, sonniger Standort ist gut geeignet für das Gehölz, auch ein halbschattiger Standort kann jedoch noch gut besiedelt werden. Optimal sind südexponierte Hanglagen.

Nutzung

Das Holz des Speierlings gehört zu den schwersten Holzarten Europas. In früheren Zeiten wurden häufig Werkzeuge oder Musikinstrumente daraus entwickelt. Schon die altertümlichen Griechen und Römer nutzten das Obst des Speierlings. Etwa seit dem 9. Jahrhundert wurde dieser auch in Mitteleuropa angebaut.

Speierlinge können bis zu 1000 kg Früchte im Jahr liefern. Die Früchte können zu Mus oder Marmelade verarbeitet werden. Auch alkoholische Getränke werden daraus erstellt. In Hessen wird das Obst des Sperberbaumes für das Keltern von Apfelwein verwendet. Der gerbstoffreiche Saft des Obstes sorgt für eine Aufhellung des Weines sowie seinen trockig-fruchtigen Geschmack.

Bedrohung

Der Rückgang des Speierlings ist stark durch das vor etwa 150 Jahren zur Ertragssteige- rung eingeführte Hochwaldsystem begründet. Die heutigen Hauptholzarten haben in der Regel einen deutlich größeren Höhenzuwachs und sind somit profitabler. Für Dammwild und auch Kleinsäuger scheint der Sperberbaum hochgradig attraktiv zu sein, weshalb Setzlinge unbedingt eingezäunt werden müssen. Im Jugendstadium sind Speierlinge außerdem anfällig für Pilzerkrankungen und Feuerbrand.